Erster Heuler in der Quarantäne

14.05.2021

Die Geburtenzeit der Seehunde im Weltnaturerbe Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer hat begonnen und der erste Heuler des Jahres wurde am 11. Mai in die Seehundstation Friedrichskoog eingeliefert. Der Sylter Seehundjäger Sönke Lorenzen prüfte nach der Meldung des Tieres in List zunächst, ob tatsächlich kein Muttertier in der Nähe war und barg den jungen Seehund anschließend.

Bei dem männlichen Tier handelt es sich um eine Frühgeburt, die noch fast komplett das lange weiße Embryonalfell (Lanugo) trägt. Nach einer gründlichen Begutachtung des Gesundheitszustandes wurde der Heuler, der vermutlich erst einen Tag alt war, sofort an die Mitarbeiter der Seehundstation Friedrichskoog zur Aufzucht übergeben. Er wurde von der Lister Apotheke, die die Arbeit der Seehundstation bereits seit vielen Jahren unterstützt und die Patenschaft übernommen hat, auf den Namen „Lønne“ getauft. Der Heuler wog bei der Einlieferung 8,6 kg, ist aktiv und munter. Am Kopf und den Flossen hat er das Lanugo bereits verloren und ist insgesamt für eine Frühgeburt gut entwickelt. Zur weiteren Versorgung und Beobachtung befindet er sich im Quarantänebereich der Seehundstation, der für die Gäste nicht einsehbar ist. In den ersten Tagen dort hat er sich gut entwickelt. Da bereits weitere Heuler auf dem Weg sind, wird er nicht lange allein bleiben. Wann er in den Aufzuchtbereich umziehen kann, hängt jedoch vom weiteren Verlauf der Aufzucht ab.

Die Hauptgeburten- und Säugezeit der Seehunde im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer hat gerade erst begonnen und wird bis in den August hinein andauern. Ein rücksichtsvolles Verhalten gegenüber den Meeressäugern, die in den ersten vier bis sechs Wochen nach der Geburt auf die Versorgung durch das Muttertier angewiesen sind, ist daher ausgesprochen wichtig. Die Geburts- und Liegeplätze im Nationalpark liegen in der Regel in der Schutzzone 1 und dürfen nicht betreten werden. Bitte überall einen möglichst großen Abstand zu den Robben einhalten, um die Wildtiere nicht zu beunruhigen.

Beim Fund eines allein liegenden jungen Seehundes in von Menschen genutzten Bereichen, z.B. an einem Strand, sollte folgendes beachtet werden:

  1. Seehund nicht anfassen.
  2. Hunde fernhalten und weiten Abstand einhalten.
  3. Seehundjäger, Seehundstation oder Polizei benachrichtigen.

Bei einer Meldung entscheidet der zuständige ortskundige Seehundjäger über die weitere Vorgehensweise. Jeder Einzelfall wird sorgfältig geprüft. Nur die vom Land Schleswig-Holstein bestellten Seehundjäger sind berechtigt, die Heuler zu bergen. Wie im Fall von „Lønne“ werden die Tiere zur Aufzucht oder Rehabilitation an die Seehundstation Friedrichskoog übergeben. Die Station ist gemäß internationalem Seehundabkommen die einzig berechtigte Aufnahmestelle für Robben in Schleswig-Holstein.