Eine traurige Nachricht zum Ende des Jahres

05. Dezember 2020

Am 24. November 2020 verstarb unsere Seehund-„Oma“ Deern, die seit Gründung der Seehundstation Friedrichskoog hier lebte, im stolzen Alter von 35 Jahren. Altersbedingt konnte sie bereits seit längerem nicht mehr so gut hören und die Augen wiesen Trübungen auf. Mit Augen- und Nierenkur sowie, wenn nötig, Salben und Medikamenten, konnte sie in den vergangenen Jahren erfolgreich behandelt werden und war für ihr hohes Alter ungewöhnlich mobil und fit. Seit einigen Wochen musste sie zusätzlich mit weiteren Medikamenten versorgt werden, was zunächst zu einer Besserung führte. Leider verschlechterte sich ihr Zustand innerhalb sehr kurzer Zeit rapide und sie verstarb.

Um Gewissheit über die Todesursache zu bekommen, ist eine Sektion im Landeslabor Schleswig-Holstein durchgeführt worden. Deerns Herz wies Veränderungen auf, die Lunge und weitere Organe waren ebenfalls verändert, was insgesamt zu ihrem altersbedingten Tod führte.


Deerns Leben in der Seehundstation

Deern kam 1985 im Gründungsjahr der Seehundstation Friedrichskoog als Heuler in die Station. Sie wurde daher gern als Gründungsmitglied bezeichnet. Sie hat ihr ganzes Leben hier verbracht. Lediglich im Sommer 1991, als das Dauerhaltungsbecken neu gebaut wurde, ist sie zusammen mit den anderen dauerhaft in der Station lebenden Seehunden in der Seehundstation Norddeich untergebracht worden.

Deern war eine außergewöhnliche Seehund-Dame. Durch ihre besondere Ruhe im medizinischen Training konnte sie in vielen Forschungsprojekten mitarbeiten. Im Rahmen der „MINOS“- Projekte und einiger anderer Forschungsvorhaben gehörte sie zusammen mit Lümmel zu den Seehunden, die bei den Untersuchungen zum Hörvermögen von Robben erste Daten lieferten und neue Methoden testeten.

Bei den Gästen der Station war Deern sehr beliebt. Mit ihren dunklen Punkten am Bauch war sie an den Unterwasserbereichen leicht zu erkennen. Nach der Fütterung stand sie oft als Boje im Wasser und öffnete ihr Maul direkt vor den Gästen. Ob diese Strategie der Belüftung dazu beigetragen hat, dass sie bis zum Ende sehr gute Zähne hatte, können wir nur mutmaßen. Sie war in vielerlei Hinsicht eine außergewöhnliche Seehund-Persönlichkeit.

Deern hat im Laufe ihres Lebens einige Jungtiere geboren. Im Sommer 2016 brachte sie Snorre zur Welt. Mit ihrem Sohn Snorre wird ein Teil von Deern in der Seehundstation bleiben. Snorres Vater Hein, der 1997 geboren wurde, ist nun der Senior der dauerhaft in der Station lebenden Robben.

Wir hätten gern das nächste Seehund-Sommerfest und 35+ Jubiläum 2021 mit ihr zusammen gefeiert. Sie bleibt ein großes Stück Stationsgeschichte und wir vermissen Deern sehr.